Von Oberstdorf auf die Zugspitze

Für meine zweite Woche in den Bergen hatte ich mich erneut für eine geführte Gruppenwanderung der Alpinschule Oberstdorf entschieden. Diesmal sollte es von Oberstdorf durch das Tannheimertal und die Ammergauer Berge auf den höchsten Berg Deutschlands, die Zugspitze, gehen.

Die Gruppe wurde erneut durch eine Bergführerin, Anna, begleitet und bestand diesmal aus 12 Personen. Nach dem ersten Aufeinandertreffen an der Alpinschule ging es mit der Nebelhornbahn hinauf zur Station Höfatsblick auf knapp 1930m. Über den Zeigersattel dann über den Laufbachereck Weg in Richtung Prinz-Luitpold Haus. Das Wetter war leider immer noch sehr bedeckt und relativ feucht, so dass wir die Hütte gerade noch so vor einem kräftigen Gewitter am Nachmittag erreichten. Umso gemütlicher war die Nacht im frisch renovierten Bettenlager.

Der zweite Tag sollte keine Wetterbesserung bringen. Als erstes stand der Anstieg zur Bockkarscharte an, bei dem wir immer wieder Steinböcke und Gemsen im Nebel zu Gesicht bekamen. Weiter ging es über den Jubiläumsweg zur Lahnerscharte und von dort aus weiter über den Saalfelder Höhenweg und das Kastenjoch zu Landsberger Hütte. Der geplanten Abstecher zum Schrecksee fiel leider der schlechten Wetterprognose und der dadurch erhöhten Gewittergefahr zum Opfer. Die Landsberger Hütte liegt über dem Traualpsee und hatte eher den Charme und die Gastfreundschaft einer Bahnhofshalle, was aber die Stimmung nicht trüben konnte. Für die Übernachtung stand ein geräumiges Lager zur Verfügung. An diesem Abend stieß die Mutter der Bergführerin spontan zur Gruppe und sollte uns die nächsten zwei Tage begleiten. Da die Gaststube nicht sehr gemütlich war gingen die meisten schon vor der Hüttenruhe in ihre Schlafsäcke.

Der Morgen des dritten Tages begann mit einem rutschigen Abstieg über den Traualpsee zum Vilsalpsee, an dessen Ufern das Wetter etwas Sonne übrig hatte, so dass die Pause am See etwas länger ausfiel und wir sogar die Sonnencremé herausholen mussten. Auf dem Forstweg entlang schlängelt sich der Weg nach Tannheim. Nach einer Mittagspause in Grän liefen wir weiter zur Füssner Jöchl Gondelbahn, welche uns im Regen den Berg hinauf bringen sollte. Der einstündige Abstieg zum Tagesziel, der Otto Mayer Hütte, war dann ein gemütliches Auslaufen. Die Otto Mayr Hütte war nach der eher kargen Unterkunft vom Vortag ein absoluter Lichtblick. In dieser DAV Hütte fühlt man sich mehr als Gast in einem Privathaus oder Hotel. Die sehr freundliche Hüttenwirtin besticht mit sehr guten Essen und wird von ihren bezaubernden Kindern im Service unterstützt. Das Bettenlager war klein aber fein und die gesamte Hütte sehr sauber und urgemütlich.

Am vierten Tag folgte der Abstieg zur Bärenfalle, wo uns ein Kleinbus in Empfang nahm und nach Füssen zur Tegelbergbahn am Fuße des Schloss Neuschwansteins brachte. Mit der Gondelbahn fuhren wir auf den Tegelberg. Nach einer kleinen Pause ging es über den Naturlehrpfd zum Ahornsattel und von dort aus weiter über zahlreiche Serpentinen hinauf zum Niederstraußbergsattel. Die dunklen Wolken am Himmel zogen immer mehr zu, so dass wir immer mehr mit einem Gewitter rechnen mussten. Der Abstieg vom Sattel erfolgt über ein langgestrecktes Geröllfeld und erforderte höchste Konzentration und Trittsicherheit. Über den menschenleeren Schwangauerkessel, den Gabelschroffensattel und das Gumpenkar weiter hinab in Richtung Kenzenhütte. Erst die letzten 20 Minuten vor dem Tagesziel öffneten sich alle Schleusen im Himmel und wir kamen trotz Regenjacken durchnässt an der Hütte an. Zum Glück gab es in der sehr schönen und gemütlichen Hütte einen Trockenraum der seinen Namen auch verdient hat. Ein kleiner Holzofen sorgte dort für genügend Wärme, so dass alle Sachen über Nacht wieder trocken wurden. Bei gutem Essen wurde es dann noch ein gemütlicher und lustiger Abend.

Das Wetter hatte sich über Nacht etwas beruhigt und der Morgen startete sogar mit etwas Sonne. Der Weg am Anstieg zum Bäckenalmsattel führte uns durch urwaldartige und feuchte Wege und sollte sich im Abstieg in Richtung Linderhof nicht ändern. An der Fahrstraße angekommen brachten uns drei Taxen nach Garmisch in die Ludwigsstraße, wo unsere Mittagspause etwas länger ausfiel, da sich mehrere aus der Gruppe neue Bergschuhe besorgen mussten. Die Kombination aus Sonne, Nässe und Trockenraum hatte einigen Sohlen den Rest gegeben. Zu Füß ging es anschliessend erst zur Olympiaschanze und dann weiter zum Einstieg in die Partnachklamm. Leider waren außer uns  noch gefühlte 1000 Touristen an und in der Klamm, so dass es eher ein Durchschieben anstatt Durchlaufen war. Unmittelbar nach der Klamm ebbt dieser Touristenstrom wieder ab und der Weg durchs Reintal wird immer menschenleerer und ruhiger. Bis zur Bockhütte läuft man fast nur auf einer Forststraße. Danach wird der Weg schmaler. Die Reintalanger Hütte machte auf den ersten Blick einen chaotischen Eindruck und sollte aber im Laufe des Abends die positive Überraschung auf dieser Tour werden. Geführt wird die Hütte von einem internationalen sehr gechillten jungen Team. Nach dem Abendessen spielte die Küchencrew ein einstündiges Konzert und die Stimmung im Gastraum war grandios. Erst weit nach der Hüttenruhe leerte sich der Gastraum. Für unsere Gruppe gab es ein winziges Lager für 12 Personen. Zum Glück war die Nacht nicht zu lang.

Direkt nach dem Frühstück ging es am letzten Tag los. Immerhin standen heute 1500 Höhenmeter auf dem Programm bevor man am Ende dieser Reise hoffentlich oben auf der Zugspitze ankommen sollte. Sogar die Sonne begleitete uns die ersten zwei Stunden bis zur Knorrhütte, bevor die Wolken und der Nebel wieder die Oberhand gewannen. Gegen 10:00 Uhr trafen wir an der Knorrhütte für eine kurze Pause ein. Von dort aus ging es hoch auf den Schneefernergletscher, der aber leider kaum noch aus Eis, sondern viel mehr aus Geröll und letzten Schneefelder besteht. Zwei Stunden geht der Weg mit vielen Aufs und Abs, bis man an der Sonn-Alpin Bahn ankommt. Die letzte Stunde ändert sich der Weg schlagartig und erfordert noch mal volle Konzentration und vorallem Kondition. Über ein sehr steiles Geröllfeld kämpft man sich bergauf zu unzähligen, drahtseilversicherten Steinkehren mit diversen Kletterpassagen, bevor man über einen letzten Grat an der Grenze zu Österreich läuft. Mit jedem Schritt wurde der Nebel dichter, so dass ich gegen Mittag ziemlich entkräftet an der Plattform vor der Münchner Hütte ankam. Die Gruppe hatte sich aufgrund der unterschiedlichen Konditionen im Anstieg verteilt, so dass erst Nach und Nach alle oben eintrafen und sich beglückwünschten. Leider ist die Zugspitze durch drei unterschiedliche Bergbahnen erschlossen, gleicht eher einer Betonwüste und ist an Hässlichkeit fast nicht zu überbieten. Hunderte Menschen lassen sich bequem hinauf- und wieder runterfahren und schauen uns Bergsteiger nur ungläubig an. Zum Glück haben wir uns dort nicht lange aufgehalten und haben zügig die Bahn nach Ehrwald genommen. Von dort aus wurden wir mit einem Bus zurück nach Oberstdorf gefahren.

Auf dieser Tour war eher der Weg das Ziel. Und für mich persönlich war es auch eine Grenzerfahrung in Sachen Kondition und Belastbarkeit. Das Wetter und die Landschaften waren im Vergleich zur ersten Woche komplett anders.

Servus bis zur nächsten Tour!

Hier ein paar Eindrücke der Tour

Auf dem Weg zum Prinz-Luitpold Haus

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Im Anstieg zur Bockkarscharte

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Durch dichten Nebel und immer wieder kleineren Schauern…

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…zur Landsberger Hütte

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Am Vilsalpsee

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Im Tannheimer Tal

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Mit der Gondelbahn auf das Füssner Jöchel

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Otto-Mayr Hütter

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Abstieg zur Bärenfalle

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Am Tegelberg

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Weiter auf dem E4 in Richtung Kenzenhütte

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Den Anstieg zum Niederstraußbergsattel vor Augen

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Kenzenhütte

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Erster Anstieg des Tages

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In Garmisch Partenkirchen

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Durch die Partnachklamm

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Durch das Reintal zur Reintalanger Hütte

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In allen Fluren trocknet die Wäsche : )

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Musikalischer Weckruf

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: )

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Hüttenmusik

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Sonne am Morgen des Anstiegs zur Zugspitze

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An der Knorr Hütte

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Mondlandschaft am Schneefernergletscher

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Im letzten Anstieg mit Blick auf die Sonn-Alpin Bahn

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Drahtseilversicherung

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An der Grenze zwischen Deutschland und Österreich

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Am Ziel einer langen Reise

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Zugspitze Gipfel

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Das obligatorische Gruppenfoto am Ende der Tour

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